Über die lokalen Legenden der Oberalp Passtrasse, über Spitzkehren-, Powder- und Genussfestivals.
Logistisch ausgeklügelt ging es los am Freitagmorgen – entweder mit einem Stadtmobilsprinter vom DAV Sektionszentrum oder mit der Bahnvariante vom Hauptbahnhof aus. Die Sprinter Variante war diesmal nötig, da wir für die Übernachtung im Selbstversorger-Gruppenhaus "Hotel Rheinquelle“ auf 1650m gewappnet sein wollten und deswegen einige Vorräte im Auto transportierten.
Wie erwartet gut vorbereitet waren alle bereits „in Montour“ eingetroffen und der Start zur ersten – sogenannten Eingehtour – konnte unmittelbar beginnen.
Gruppeneinteilung easy: wer zuerst fertig war, ging zuerst los – mit der Maighelshütte (2.301m) als Ziel.
Die Geschichte der „Lokalen Legenden“ vom Oberalp Pass nimmt hier seinen Anfang. Man muss wissen, dass der Pass in Wintersperre ist und diese Sperre mehr oder weniger direkt hinter unserer Unterkunft beginnt.
Das heißt, der Pass mutiert im Winter zu einer kombinierten Ski-, Wander-, Schneeschuh-, Rodel- und was-auch-immer-Piste, die der Ein- und Ausgang so gut wie jeder Tour ist.
So stiefelten wir bei Traumwetter die Straße hoch (Lokale Legenden Nummer 1) und fanden leicht den Abzweig in das herrliche Maighels Tal, welches sanft, sonnig und wunderschön den Weg zur Hütte zeichnet.
Die Hütte bietet alles: Herrliches Panorama, leckeren Kuchen, Gipfel, die Lust auf mehr machen, und gute Stimmung (Genussfestival Teil 1).
Die anschließende Lawinenübung war gut und wichtig, ließ uns aber vergessen, dass die Sonne aus dem Tal verschwand und sich die ursprünglich weichen Bedingungen in Sekundenschnelle zu harten, deckeligen Harschbedingungen entwickelten – kein Genuss für die Abfahrt, leider!
Der Einzug in unser Quartier war gut vorbereitet ebenso wie die erste Abendmahlzeit im Selbstversorgerhaus. Zufrieden und voller Vorfreude auf die kommenden Tage genossen wir das vegetarische Linsencurry (Genussfestival Teil2) einschließlich Vor- und Nachspeise und freuten uns auf die Vorstellung der Touren und Planungen für den nächsten Tag.
Die Touren für den nächsten Tag waren vielfältig, die Gruppen waren schnell formiert, die Anfangszeiten verkündet sowie der Frühstücksdienst eingeteilt.
Pünktlich starteten am nächsten Morgen die Gruppen zu Ihrer Tour. Die Oberalpfans wieder über die Passstraße (Lokale Legenden Nummer 2) der Rest mit kurzer Auto- bzw. Skiabfahrt ins nächste Dorf bzw. per Zug direkt zum Oberalppass.
Das Wetter war fantastisch: kein Wind, warm und jede Gruppe fand nach dem harschigen Einstieg am Vortag mehr oder weniger üppigen Powder (Powderfestival Teil1).
Die Zuggruppe Oberalp hatte noch ein besonderes Erlebnis à la Hillary Step: Hundertschaften starteten nach jeder Zugankunft am Oberalppass den Aufstieg zum Pazolastock, einen idealen Skitourenberg. Zum Glück verteilte sich alles gut und die Tour konnte rundum genossen werden.
Die Rückkehr von 3 der 5 Gruppen führte wieder den Oberalp Pass herunter (Lokale Legenden Nummer 3+4), 2 weitere Gruppen hatten noch einen kleinen Rückanstieg zu bewältigen. So kamen die Gruppen nacheinander, aber gleichermaßen zufrieden und unterschiedlich erschöpft zurück und freuten sich auf die Dusche, den Austausch, ein kühles Bier oder einen Wein. Vor allem aber auf das köstliche Abendessen, welches bereits duftete und von Christine mit Herzblut zubereitet wurde.
Am kommenden Tag waren die Wetteraussichten nicht so perfekt wie zuvor. Doch die Tourenplaner zauberten einen Joker aus dem Planungsblatt.
Eine Tour sollte mit Sprinterunterstützung zum Lukmanierpass gehen, wo eine schöne Panoramatour starten sollte. Zwei weitere Angebote waren Piz Maler ohne Piz mit Spitzkehrenfestival (Übergang über eine Scharte ohne Gipfel) und Piz Maler mit Piz mit längerem aber einfacherem Aufstieg.
Piz Alpetta durfte natürlich nicht fehlen, da ja wieder die Oberalp Passstraße begangen werden wollte (Lokale Legenden Nummer 5).
Wieder waren die Gruppen schnell formiert, viele entschieden sich für die Lukmanier Tour, da diese mit ca. 700Hm etwas Rekom nach der Tour am Vortag versprach.
Pünktlich starteten auch am 3. Morgen die Gruppen, in der Nacht hatte es geschneit und die gestern noch grünen Dörfer waren weiß – unglaublich!!
Herrlich und teilweise beschwerlich war das. Die Spuren vom Vortag waren kaum zu sehen und wir mussten ganz schön ackern. Belohnt wurden wir (die, die im ursprünglichen Gebiet geblieben waren) mit Sonne zu Mittag. Die Lukmanier Truppe wurde mit anhaltendem Schneefall und ca. 40cm Neuschnee belohnt. Eine defensive Routenwahl auch aufgrund der schlechten Sicht verwehrte dieser Gruppe zwar den anvisierten Gipfel, aber vom Schnee waren alle geflashed (Powderfestival Teil2).
Ein weiterer Flash erwartete uns am Abend. Das Küchenteam mit heutigem Küchenchef Peter hatte eine Challenge umzusetzen:
Frischer Salat
Maronensuppe mit Kräutern aus eigener „Pflückung“
Pasta mit frischer Gemüse-Sahnesauce, Wildkräutern, Bärlauch, Parmesan
Frischer Obstsalat mit Rahm
Was sagt Ihr dazu? Und das Ganze mit herrlichem Küchenwein für das umfangreiche Kochteam!!
Der letzte Morgen stand vor der Tür. Einige organisatorische Dinge für die Abreise galt es zu klären und die letzten Tourenvarianten mit und ohne Oberalp Pass wurden vorgestellt – jeder fand wieder etwas für seinen Geschmack, einschließlich eines Schweizer Röstis.
Mit unvergesslichen Eindrücken und Vorfreude auf die nächste Ausfahrt fuhren alle pünktlich, zufrieden und auch müde wieder nach Hause, vor Augen die schönen Bilder.
Zum Schluss noch ein paar eingefangene Stimmen:
Paar Wortspiele zu den Gipfeln
Piz Maler 2.798 – abenteuerlich und schön Pazolastock 2.739 – mit dem Hillary Step Piz Cavradi 2.614 – Piz Campari 😊 Piz Alpetta 2.764 – Piz Alpaka 😊
Paar Worte – Michal
1. Riesengroßes Lob an Orga Team und Koch-Team – perfekt!
2. Als ich an dem letzten Tag vor dem Haus stand und Richtung Oberalppass schaute, waren die Berge echt majestätisch. Ich habe dann gesagt: Super Bergkulisse – sieht so aus wie in der Schweiz. :-)
3. Wir hatten echt viel Glück mit Neuschnee und herrlichen nördlichen Abfahrten. Das war echt ein Highlight.
4. Der Maler -> Treffen mit einer anderen Gruppe von uns (Tobi + Uli) bei der Abfahrt
Bericht Samstag von Georg, Piz Maler
Abends bei der Planung gab es noch Zweifel, aber tatsächlich sind wir (mit einer kurzen Tragestelle bis zum Einstieg) unsere Tour in Selva auf Schnee geglitten. Das horizontale Stück im Wald war gelegentlich etwas abenteuerlich: nicht talwärts aus den Ski aussteigen, dort hat der Weg Löcher.
Im weiteren Verlauf waren viele Spitzkehren auf teilweise steilem, vereistem Untergrund zu meistern, aber wir waren eine starke Gruppe. Das kommentierte Carla, eine unserer Guides, Julia war die zweite, mit den Worten: das ist keine Anfängertour! Robert übernahm einen Großteil der Spur-Arbeit bis wir auf eine bestehende Spur stießen.
Das Wetter hat sich dann doch irgendwann für Sonne entschieden und wir gelangten zum Skidepot, wo ein Bergführer mit seinen zwei Kunden uns vom Gipfel entgegenkam.
Wir meisterten zwei Stellen mit Felskontakt sowie zwei Löcher und standen glücklich auf dem Gipfel mit wunderbarer Aussicht.
Aber das Beste kam ja erst noch: die Abfahrt. Oben in lockerem Schnee, unten dann etwas weicher. Jürgen fand stets die perfekte Linie, welche wiederum Leuchten in unseren Augen verursachte.
Wir erreichten die Unterkunft und genossen Kaffee, Kuchen und die Aussicht auf die Abfahrt, die wir selbst gerade gefahren waren.
Danke an unsere beiden Guides, die diese Tour möglich gemacht haben und allen, die mit dabei waren!
Last But not least:
Eine sagenumwobene Erzählung wurde dem Autor zugetragen… Es habe Teilnehmer gegeben, die bewusst den Gipfelerfolg dem Powdererfolg untergeordnet hätten!
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