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Grenzlandtour im Dreiländereck

Liechtenstein - Graubünden - Montafon im Juli 2026

06.11.2026

Schon einmal etwas vom Rätikon gehört? Richtig, hört sich schweizerisch an, ist es aber nicht nur. Die Gegend, eine Gebirgsgruppe am westlichen Rand der Ostalpen, gehört nach der in Italien, Frankreich und teilweise der Schweiz verbreiteten „Partizione delle Alpi“ zu den Zentralalpen. Anteil haben die Länder Liechtenstein (vollständig), Österreich (Bundesland Vorarlberg) und die Schweiz (Kanton Graubünden). 

Unsere Tour wurde als mehrtägige Hochgebirgswanderung mit Hüttenaufenthalten angelegt und stellte sich als besonders abwechslungsreiche Durchquerung einer sehr kontrastreichen Gebirgsgegend von West nach Ost heraus. Fast täglich begegnen einem die hübsch-soliden Grenzschilder von Liechtenstein, der Schweiz und Österreich, sind aber kein Problem, trotz derzeitiger unterschiedlicher Grenzreglungen in der Mitte Europas. Von den Menschen im Prättigau, der Bereich südlich unseres Weges ausgehend, ist vor Jahren die Initiative zu einer Transformation in einen länderübergreifenden Nationalpark jäh steckengeblieben. Alles was es dazu braucht ist aber vorhanden. Das konnten wir auf unserer Tour selbst erfahren.

Wunderbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, ist der Ausgangspunkt in der Liechtensteiner Gemeinde Malbun. Auf dem dort beginnenden Fürstin-Gina-Weg erklimmt man den ersten Gipfel, den Augustenberg, mit guten 2359 m Höhe. Dieser Grenzweg verläuft meist um die 2000 m Höhe zwischen den Anrainerstaaten und leitet uns direkt zur Pfälzer Hütte. Ursprünglich von einer Gruppe deutscher und österreichischer Alpenvereine gegründet, feiert das Liechtensteiner Haus 2028 sein 100-jähriges Bestehen. Das Beste an jenem Abend im Juli war der fantastische, scheinbar nicht enden wollende Sonnenuntergang. Welch ein Glück auf der gesamten Tour: das Wetter war toll, oftmals etwas zu toll und warm. Noch auf den Karten eingezeichnete Gletscherfelder, perdü! Abendessen im Freien, ja tatsächlich, waren ein echtes Sommervergnügen auch bei den folgenden Hütten.

Am nächsten Tag geht es auf die ca. fünfstündige Tour auf dem Liechtensteiner und Prättigauer Höhenweg zur Schesaplana Hütte. Direkt auf einem Abschnitt der großen Alpentransversale der Via Alpina schauen wir meist Richtung Süden in die Schweizer Alpen und genießen die Sonne mit angenehmen Temperaturen. Die Wege auf der gesamten Tour sind sehr unterschiedlich, mal schmal, mal sehr steinig in einem Meer von blühenden Alpenpflanzen versteckt, aber immer sehr gut markiert. Verloren geht niemand. Man kann sich sehr auf das Bewegen in der freien Natur konzentrieren. Bei der Tourplanung haben wir, für eine Gruppe mit schwerem Gepäck die beste Variante des Weges Richtung Osten ausgesucht, steigern lässt sich z.B. der Aufstieg zum Schesaplana Gipfel (2965 m) immer. Man könnte direkt hinter der Hütte steil bergauf kraxeln und kommt gleich doppelt in einen Höhenrausch. Am Ende zieht es noch einmal kräftig zum Gipfelkreuz an. Doch nein, wir bleiben auf der Südseite der eindrucksvollen dolomitenähnlichen Bergkette entlang der Via Alpina (Via Alpina Retica). Die Wanderzeiten für die einzelnen Tagesabschnitte dauern zwischen drei und maximal sechs Stunden. Die täglichen Anstiege betragen höchstens 650 m und sind nicht schwierig zu gehen.

Als nächstes Ziel steuern wir die Totalphütte an, nachdem wir die Gamsluggascharte mit ihrem steilen Anstieg bewältigt haben. Dort am kleinen Pass angekommen präsentieren sich die krassen Felswände des Rätikon wie eine unheimliche Marslandschaft. Unglaublich eindrucksvoll! Das Topmotiv des Tages ist der Lünerstausee mit seinem tief türkis-blau schimmernden Wasser.

An der Hütte gegen Mittag auf 2385 m Höhe angekommen, deponieren wir gleich unser Gepäck und freuen uns auf den Gipfelsturm. Die Totalpe liegt oberhalb des Lünsersees auf einem kleinen Plateau, umgeben von herrlichen Kletter- und Wanderbergen auf halbem Weg zur Schesaplana. Den Gipfelaufstieg von dort haben wir für die zweite Tageshälfte ausgesucht. Ohne Gepäck geht es schon erheblich besser bis auf rund 3000 m. Dann folgt großes Panoramakino über die ganze Region. Kein Wunder, der höchste Berg – Schesaplana – gibt sogar den Blick zum Bodensee frei. Beim Aufstieg durften wir auch einmal einen Einsatz der Hubschrauberbergrettung erleben. Der Run auf Berggipfel hat auch diese Gegend erreicht, daher auch die Häufung der Unfälle.  Festzustellen ist, dass es oft unerfahrene Leute verstärkt in die Berge treibt, meist in Gruppen mit schwer überschaubarer Größe. Doch auch eine Tour auf den Schesaplanagipfel ist nicht zu unterschätzen.

Die folgenden Tage wechseln wir auf unserem Weg einmal mehr die Grenze in die Schweiz und uns erwartet die erst dieses Jahr wieder eröffnete Carschina Hütte. Südlich des Sulzfluhgipfels auf 2227 m gelegen, ist es ein super modernes Haus, aber im Stil der Alpentradition geworden. Pures Mauerwerk aus groben Granit wechselt sich mit einer Holzkonstruktion und einem asymmetrischen Dach ab. Leider sind die Innenräume für eine Vollbelegung nicht gut durchdacht. Es geht eng zu, es sind in der Nacht lautes Türschlagen und sonstige Geräusche zu hören und die Dachstuben sind schlecht belüftet. Mein persönlicher Favorit ist die Schesaplana Hütte, mit behutsamer Hand renovierter und denkmalwürdig restauriert. Allen Hütten auf der Tour ist das gute Essen gemeinsam. Da kann man gar nicht klagen.

Nach einer regenreichen Nacht und leichter Abkühlung begeben wir uns auf die vorletzte Etappe Richtung Westen, wiederum einen Grenzübertritt nach Vorarlberg zur Tilisuna Hütte auf Österreichischer Seite. Unser Weg führt entlang der auffälligen geologischen Grenze des Rätikon, über ein vegetationsloses Felsplateau, manchmal auch über ganz plötzlich auftauchende sattgrüne Wiesen. Wir erreichen unsere letzte Station, fast ein kleines Hotel in den Bergen. Plötzlich taucht das schöne Wanderwetter ab in eine heftige Nebel- und Regenatmosphäre gegen Abend. Doch was ist das gegen einen Berg von Kaiserschmarrn? Das hebt die Stimmung deutlich. Der folgende Tag bringt uns 1500 m tiefer ins Tal, wo wir allzu gerne das gut renovierte Josefsheim Hostel genießen mit seinem prächtigen Biergarten im schönen Schruns. Die hinter uns liegende Tour ließe sich weiter steigern, wenn man noch sämtliche Gipfel mitnähme, sie war aber auch so eine besonders eindrucksvolle Wanderwoche zwischen allen Grenzen, zwischen Liechtenstein, der Schweiz und Österreich.