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Tiefschneekurs Gargellen

Zwischen Pulver, Piste und Pizza

28.01.2026

Vier Tage Tiefschneekurs im Skigebiet Gargellen klangen zunächst nach einer klaren Sache: Viel Schnee, große Schwünge, strahlende Gesichter. Dass am Ende nicht der Tiefschnee, sondern eher die Technik, der Teamgeist und die Pizzeria die Hauptrollen spielen würden, ahnten wir zu Beginn noch nicht.

Organisiert wurde der Kurs von Familie Hegner – Ralf, Birgit und Max, die schon viel Erfahrung damit haben, anderen das Skifahren beizubringen. Untergebracht waren wir auf der Madrisahütte der Sektion, die wir uns mit den Karlsruher LAMas teilten. 
Die Anreise erfolgte bereits am Donnerstag, damit der halbe Skitag noch sinnvoll genutzt werden konnte.

Die Abreise am Sonntagnachmittag wurde – ganz alpin-traditionell – mit einem gemeinsamen Pizzaessen eingeläutet.

Im Skigebiet selbst teilten wir uns in drei Gruppen auf, jeweils betreut von einem:einer Skilehrer:in aus Familie Hegner. Auf der Piste fühlten sich anfangs alle recht wohl – schließlich können wir ja Ski fahren. Oder zumindest dachten wir das. Spätestens bei der Tiefschneeabfahrt auf der Nidla-Route am Samstag wurde dieses Selbstbild allerdings gründlich auf die Probe gestellt. Besonders der steile Einstieg sorgte dafür, dass wir schlagartig alles vergaßen, was wir je von Skifahren wussten. Der gemeinsame Struggle in den schwierigeren Passagen und die Erleichterung nach ihrer Bewältigung schweißten uns aber als Gruppe zusammen.

Technisch stand der Kurs ganz im Zeichen der Grundlagen – allerdings solcher, die man im Laufe der Jahre offenbar gerne wieder vergisst. Unsere Kursleiter:innen wurden nicht müde, zentrale Lehrsätze zu wiederholen: *Vorlage auf den Skiern* und *talwärts schauen*. Auch erfuhren wir, dass die meisten Leute, insbesondere diejenigen, die es vor mehr als 20 Jahren gelernt haben, „alle falsch Ski fahren.“ Ein Trost für viele von uns – und eine Einladung, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen. Selbst scheinbare Trivialitäten wie der richtige Stockeinsatz entpuppten sich als deutlich komplexer, als man bisher dachte.
Um diese Inhalte zu verinnerlichen, wurden zahlreiche Übungen eingesetzt, deren Namen ebenso einprägsam oder gar noch einprägsamer als ihre Wirkung waren: *Zwerg und Riese, **Fernseher tragen, **Flieger* und *Jäger und Hund*. Wer nicht wusste, wie sich koordinative Überforderung anfühlt, lernte es spätestens hier.

Abseits des Skifahrens lief die Organisation bemerkenswert rund. Das Essen auf der Hütte wurde von den Teilnehmer:innen geplant, mengenmäßig genau richtig, sodass wir nichts wieder runtertragen mussten, aber auch alle satt wurden. Auch unsere Hüttenmitbewohner von den LAMas waren von unseren Kochkünsten - besonders dem unverhofften Nachtisch - beeindruckt. Die Zimmeraufteilung bot für jeden Geschmack etwas: ein ruhiges Lager und eines, in dem nachts zuverlässig „gesägt“ wurde.

Schneemangel begleitete den Kurs leider konstant. Die Abfahrt zur Hütte war entsprechend steinig, sodass diese nur diejenigen mit geliehenen Skiern entspannt und ohne Angst vor teuren Kratzern bewältigen konnten. Weniger entspannt zeigten sich an anderer Stelle Johannes’ Skibindungen, die scheinbar nicht für den Kontakt mit Eis ausgelegt waren.

Um einer drohenden Überdosis an Hülsenfrüchten zu entgehen und gleichzeitig noch etwas Aufstieg in das Tagesprogramm zu integrieren, unternahm die Gruppe am Freitagabend einen Ausflug zur Pizzeria im Tal – sportlich wertvoll und kulinarisch absolut lohnend.

Besonders positiv hervorzuheben ist das viele individuelle und ehrliche Feedback von Ralf, Birgit und Max. Präzise Beobachtungen, klare Ansagen und eine angenehme Mischung aus Geduld und Humor sorgten dafür, dass alle Teilnehmenden sichtbar dazulernen konnten – auch wenn das bedeutete, liebgewonnene Überzeugungen über den eigenen Fahrstil loszulassen.

Unterm Strich war der Tiefschneekurs in Gargellen weniger eine Pulverorgie als vielmehr eine intensive, lehrreiche und gut organisierte Fortbildung. Der ersehnte Schneefall erreichte uns leider erst auf der Heimreise.