Spektakuläre historische Ingenieurskunst in den Walliser Bergen
19.06.2025
Auf dem Programm für die vier Tage standen einige „Suonen“ – oder „Bisses“, wie man im zweisprachigen Wallis auf Französisch sagt. Diese Wasserläufe, die zwischen dem 13. und 20. Jahrhundert gebaut wurden, um die Landwirtschaft zu bewässern, sind ein Wahrzeichen des Wallis. Manche verlaufen sanft und flach entlang von Waldwegen, andere jedoch sind spektakulär an steilen Felswänden entlang gebaut – absolut beeindruckende Ingenieurskunst, vor allem wenn man bedenkt, welche Mittel in diesen frühen Zeiten zur Verfügung standen! Heike und Rosa haben aus den angeblich noch 200 in Betrieb befindlichen Suonen eine tolle Auswahl für unsere Wandertruppe getroffen.
Nach unproblematischer Anfahrt mit DB und SBB war unser Treffpunkt der Bahnhof Sion, von wo unsere Tour startete: Mit dem Taxi fuhren wir zum Ausgangspunkt Tripon, und schon begann das Abenteuer.
Für den ersten Tag stand die Ancienne Bisse de Savièse (Torrent-Neuf) samt zwei schwindelerregenden Hängebrücken auf dem Programm, auf der wir bis nach Anzère laufen wollten– rund 16 Kilometer und 702 Höhenmeter lagen vor uns. Bei strahlendem Sonnenschein und teilweise sehr steilen Wegen hinauf zu der ersten Hängebrücke waren wir froh über den schattenspendenden Wald. Nachdem wir zwei knapp 90 Meter lange Hängebrücken gemeistert hatten, kamen wir zu der ersten Suone und erlebten zum ersten Mal, wie es ist, ausgesetzt neben einem Wasserlauf teils am, teils durch den Fels hindurch zu laufen. Ein Wegstück der Bisse du Torrent-Neuf/Savièse war kurzfristig aus Sicherheitsgründen verschlossen, sodass wir umdisponierten und auf einem ersten Teilstück der Bisse d’Ayent nach Anzère aufstiegen, wo wir übernachteten.
Gut ausgeruht führte uns der Weg am zweiten Tag zunächst über eine atemberaubende Etappe der Bisse d’Ayent von Anzère zum Lac du Tseuzier. Der Wasserlauf ist hier teilweise am blanken Fels entlang gebaut, und teilweise führt er mitten durch den Fels, sodass wir froh über unsere Stirnlampen waren. Nach einer Rast am Stausee ging es über die Alpage de Mondralèche zur Bisse du Rô, einer der spektakulärsten und schönsten Suonen im Wallis. Zwischen dem Lac de Tseuzier und Crans-Montana windet sich ein atemberaubender Pfad über schmale Holzstege an den steilen Felswänden entlang. Weiteres Highlight dieser Suonenwanderung ist eine schwindelerregende 124 Meter lange Hängebrücke in 80 Metern Höhe – Nervenkitzel pur! Die Etappe war mit ihren 21 Kilometern und rund 700 Höhenmetern anspruchsvoll, aber landschaftlich überragend. Wir kamen aus dem Staunen und Fotografieren nicht heraus 😊 ! In Crans-Montana erwartete uns die feudale Jugendherberge, wo wir für zwei Nächte Quartier bezogen. Besonders schön war die große Terrasse – perfekt, um am Abend bei einem kühlen Getränk den Blick auf die majestätischen Walliser 4000er zu genießen und die Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen.
Am dritten Tag starteten wir direkt an der Jugendherberge und wanderten über die Grand Bisse de Lens nach Chermignon-d’en Bas. Die 19,7 Kilometer lange Tour verlangte mit mehreren steilen Abstiegen etwas Trittsicherheit. Großartig sind hier auch die Ausblicke, die man von der teilweise 500 Meter über dem Talboden gelegenen Suone ins Rhône-Tal nach Sion und Sierre, sowie ins Val d‘Herens hat. Bei dieser Suone war die Talseite teilweise überhaupt nicht abgesichert, das heißt man musste sich bei jedem Schritt konzentrieren und am besten nicht in die Tiefe blicken – nichts für schwache Nerven 😉. Von der Haltestelle Diogne brachte uns dann der Bus bequem wieder zurück nach Crans-Montana.
Am letzten Tag nahmen wir den Bus nach Lens und begannen unsere letzte Etappe. Auf den ersten vier Kilometern ging es zügig etwa 500 Höhenmeter hinunter, bevor wir der idyllischen Bisse du Clavau gemütlich Richtung Sion folgten. Auch an diesem Tag hatten wir, beim Abstieg ins Rhône-Tal einen grandiosen Blick auf die imposanten Walliser Berge. Der Weg führte erst durch den Wald und dann bald über unzählige Terrassen der Walliser Weinberge hinab nach Sion. Bei phantastischem Sonnenschein waren wir froh über die Abkühlung, die uns der Weg entlang am plätschernden Wasser permanent bot. Unterwegs mussten wir immer wieder Fotostopps einlegen und in kleinen Pausen die Umgebung genießen. Gegen Mittag erreichten wir Sion, wo wir uns alle ein wohlverdientes Eis gönnten und manche von uns noch ein bisschen durch diese historische Stadt bummelten. Die Rückfahrt verlief ebenso reibungslos wie die Anreise.
Es waren vier erlebnisreiche Wandertage mit viel Staunen über die teils atemberaubenden Suonen. Superwetter, permanentes Wasserrauschen und grandiose Aussichten taten ihr Übriges. Diese Touren sind auf jeden Fall ein heißer Tipp – man muss bei einigen jedoch unbedingt schwindelfrei sein!
Die Gruppe war super, und unsere beiden Guides Heike und Rosa hatten alles perfekt organisiert, vorbereitet und geführt, sodass wir uns ganz auf die Touren und die interessante Umgebung konzentrieren konnten! Wir hatten alle viel Spaß und danken Heike und Rosa herzlich für diese tolle Tour!
Text und Fotos: Brita Dorer
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