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Skihochtourenkurs im Stubaital

Vier Tage Ausbildung rund um die Franz-Senn-Hütte

13.03.2026

Im März 2026 traf sich unsere Ausbildungsgruppe zu einem Hochtouren- und Skibergsteigerkurs im Stubaital. Während es für einige von uns die erste Hochtour war, und sie mehr skitechnisches Knowhow mitbrachten (wie etwa die beiden teilnehmenden Skilehrer), hatten andere bereits mehr Kletter- und Hochtourenerfahrung. Unsere beiden Trainer Flo und Ralf vereinten die Gruppe in jedem Fall von Anfang an.

Nach dem Zustieg zur Franz-Senn-Hütte erwartete uns bestes Wetter und ein beeindruckendes Hochgebirgspanorama. Noch am Ankunftstag startete die Ausbildung mit ersten Rettungstechniken: Lose Rolle, Selbstrettung aus der Spalte sowie Materialorganisation standen auf dem Programm. Dabei stellte sich schnell heraus, dass uns eine Sache durch die gesamte Woche begleiten würde – der Mathe-Teil des Kurses. Egal ob Seilabstände berechnen, Restseillängen (auch: „Restschwanzlängen“ ;)) bestimmen, Tourendistanzen abschätzen oder Zeitplanung optimieren. Keine Mathematische Operation blieb uns erspart. Am Abend folgte die gemeinsame Tourenplanung für den kommenden Tag. 

Innere Sommerwand (3122 m)

Unsere erste Ausbildungstour führte auf die Innere Sommerwand. Entgegen der Wetterprognose zeigte sich der Tag überraschend freundlich. Mit Ski stiegen wir bis etwa 3000 m auf, bevor wir auf Steigeisen und Seil wechselten – für einige von uns die ersten längeren Kletterpartien am Seil im hochalpinen Gelände.

Angeleitet von unseren Trainern erarbeiteten wir uns in zwei selbständigen Seilschaften die Techniken zur sicheren Bewältigung des kombinierten Geländes, das Legen von Zwischensicherungen und das Vertrauen in die eigene Bewegung. Besonders wertvoll war dabei der kontinuierliche Austausch innerhalb der Gruppe und die Impulse durch unsere Trainer:  Gegenseitige Tipps zu Sicherungstechniken, Bewegungsabläufen und Linienwahl begleiteten den gesamten Aufstieg.

Der Abstieg wurde schließlich zu einem echten Highlight. Pünktlich zur Abfahrt klarte es auf, und so konnten wir bei guten Bedingungen und fast perfektem Pulverschnee an unserem Fahrstil arbeiten, uns gegenseitig Feedback geben und vom Know-How unserer Trainer profitieren.

Wildes Hinterbergl (3288 m)

Am nächsten Tag stand die große Gletschertour an. Zur Überschreitung des von den lokalen Alpinisten „Menschenfresser“ genannten Berglasferner bildeten wir zwei Seilschaften. Neben der technischen Learnings rund um Gletscherkrümmung, Routenwahl und Seiltechnik, wurde unterwegs deutlich, dass das Gehen am Seil eine ganz eigene Lernerfahrung darstellt: gleichmäßiges Tempo, sauberes Timing bei Spitzkehren und vor allem ständige Aufmerksamkeit füreinander.

Zur Enttäuschung von einigen Kursteilnehmern wirkte der Berglasferner vor Ort ruhig und geschlossen – etwas schwierig eine „Gletscherspalte zum Reinspringen“ zu finden. Abends trieben wir jedoch nochmal ein Sommerfoto desselben Gebiets auf. Das kollektive „Spalten-Erwachen“ führte uns eindrücklich vor Augen, wie trugschlüssig die Lage vor Ort sein kann.

Ausbildungstag: Spaltenrettung

Am folgenden Tag lag der Schwerpunkt vollständig auf Ausbildung. Nahe der Hütte übten wir intensiv Selbst- und Kameradenrettung – mit und ohne Ski, mit Gepäck und unter möglichst realistischen Bedingungen.
Besonders eindrücklich war es, tatsächlich am Seil hängend die Selbstrettung durchzuführen sowie Flaschenzugsysteme in verschiedenen Variationen aufzubauen und zu testen. Nebst einem zwischenzeitlich in die Tiefe verlorenen Skistock führte die Aktion auch zu einem umfassenden Materialtest – der ein oder andere überlegt sich nun nach praktischer Erfahrung die Anschaffung von Seilrolle, Seilklemme oder universell einsetzbaren Karabinern und Kevlar-Reepschnur.

Neben den technischen Inhalten wurde die Woche v.a. durch gemeinsames Lernen geprägt. Abends auf der Hütte wurde diskutiert, geplant und gespielt. Bei der abendlichen Runde Mäxle – selbstverständlich primär Ausbildungsmittel zur Schulung von Risikobewertung und Konsequenzanalyse als Teil des Lawinenmantras – entstanden regelmäßig neue Sonderregeln nach individuellem Ermessen der Teilnehmenden. Ob wissenschaftlich belegbar oder nicht: Für Teamgeist und gute Stimmung war es definitiv förderlich.

Fazit

Der Kurs zeigte eindrucksvoll, dass Hochtourengehen weit über Gipfelziele hinausgeht. Entscheidender sind saubere Vorbereitung, gegenseitige Aufmerksamkeit und, am wichtigsten, Spaß in der Gruppe. Besonders wertvoll war die Möglichkeit, Techniken mehrfach praktisch zu erproben und Schritt für Schritt Sicherheit zu gewinnen.

Viele von uns standen erstmals länger am Seil im hochalpinen Gelände – und gingen am Ende mit deutlich mehr Erfahrung, Selbstvertrauen und einem geschärften Blick für Entscheidungen im Gebirge nach Hause.

Ein intensiver, lehrreicher und sehr gemeinschaftlicher Kurs, der alle bereits für mehr motiviert hat.