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Papierbergsteigen in der Dreiflüssestadt

November 2025: Die alljährliche Hauptversammlung

06.05.2026

Die Gesandten unserer Sektion meisterten die herausforndernden Passagen (unzählige Debatten, knappe Abstimmungen, eine ereignisreiche Schiffsfahrt und den Öffi-Wahnsinn) des Papierbergsteigens - mit Zusammenhalt und gutem Humor. 

Ende 2025 lud der DAV Bundesverband zur alljährlichen Hauptversammlung nach Passau. Auf der Tagesordnung standen wegweisende und entscheidende Themen über die Zukunft des Verbands, auch eine Beitragserhöhung war geplant.

So begab es sich, dass unsere Gefährten sich an einem kalten Novembermorgen aufmachten, um das Schlimmste zu verhindern.

Die Gefährten sind:

Peter, der Weise
Oliver, die Buchungsfee
Klaus, Wanderleiter und Mobilitätsberater
Tamara, “die keine Grenzen kennt”
Moritz, der Radreisende
Elias, der Späte
Joshua, der Weitsichtige

Der erste Sitzungstag wurde mit Grußworten und Ehrungen verbracht, erst am Abend wurde es inhaltlich: Es galt, eine Aktualisierung des DAV-Klimaschutzkonzeptes vorzunehmen. Dieses wurde zwar verabschiedet, in der Debatte zeigte sich jedoch, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht für jede Sektion so eine Selbstverständlichkeit sind wie für die Unsere. 

Als die Sonne den Horizont küsste, machten sich unsere Gefährten auf zum Hotel “Der wilde Mann”. Nach einer kuscheligen Busfahrt führte Wanderleiter und Mobilitätsberater Klaus unsere Gruppe in die schöne Passauer Altstadt, in der sich der wilde Mann befand. 

Nun stand der Abend der Sektionen an. Der Gedanke an 300+ Sektionenvertreter:innen zu bayrischer Musik auf einem Donauschiff erfüllte Peter den Weisen nicht gerade mit Euphorie. Doch nur Oliver schenkte ihm Gehör und so kam es, dass sich die Wege unserer Freunde teilten.

In der Tat mussten die übrigen fünf Gefährten einsehen, dass der Abend der Sektionen … speziell ist. Zunächst stellte sich überraschenderweise heraus, dass eine nächtliche Bootsfahrt nicht gerade beste Aussicht bietet. Als Entschädigung gab es eine Gaudi auf dem Schiff selbst: ein selbsternannter UNESCO-Kulturerbe-Geschichtenerzähler, eine jaulende Band und ein üppiges Buffet, auf das sich alle 300 Sektionen stürzten. Wenngleich man sich über den Ausdruck bayrischer Kultur hinweg nur schwer verständigen konnte, hatten die Karlsruher es lustig, schlugen sich die Bäuche voll und berichteten von ihren bisherigen Lebenswegen. 

Der Tag der Entscheidungen

Als am nächsten Morgen der Hahn krähte, ging es durch die verwinkelten Treppen und Tunnels der Stadt zum Haupttag der Versammlung.

Der Tag begann mit dem kontroversesten aller Themen: Dem Digitalisierungsprojekt des DAV “av.digital”. Denn der Kernteil des Projektes – die neue Mitgliedsverwaltungssoftware – ist gescheitert, ein großer Teil des investierten Geldes ist futsch, die Software “nicht einsetzbar”. Stattdessen soll eine bestehende OpenSource-Software eingesetzt werden, die auch der SAC nutzt. Warum nicht gleich so?

Im Zuge der Projektanalyse hatte sich zudem herausgestellt, dass in der IT des Bundesverbandes an weiteren Stellen Modernisierungsbedarf besteht. Zur Finanzierung möchte der Bundesverband den Beitrag um 3€ pro Mitglied erhöhen. Auch wenn wir als Sektion den Investitions- und Handlungsbedarf bei der IT-Infrastruktur sehen, ist diese Beitragserhöhung für uns inakzeptabel. Das sehen auch andere Sektionen so: Bevor wieder große Geldmengen in die Hand genommen werden, müssen zunächst kleine Erfolge erzielt werden. Schließlich kommt es zum haarscharfen Beschluss: Die IT soll modernisiert, eine OpenSource-Mitgliederverwaltung eingesetzt werden - aber ohne Beitragserhöhung. 

Später am Tag wurde der “Hüttenwegweiser 2030” verabschiedet, eine Leitlinie für die Entwicklung von Hütten und Wegen mit dem Ziel, diese nachhaltig, klima- und ressourcenschonend zu erhalten und zu betreiben. In der Debatte zeigte sich erneut, dass Klimaschutz und Sozialverträglichkeit (Selbstversorgung) nicht für alle Sektionen gleichermaßen wichtig sind. 

Nachdem drei unserer Gefährten abgereist waren, folgte eine hitzige Debatte über den Einfluss kleiner Sektionen: Auf der Hauptversammlung haben sie deutlich weniger Stimmrecht, da dieses anhand der Mitgliederzahl vergeben wird. Es besteht weitgehend Konsens darüber, dass das geändert werden sollte - wie genau, darüber wurde man sich jedoch nicht einig. Die Entscheidung wird auf unseren Vorschlag hin verwiesen und im Rahmen des in 2026 abzuschließenden Strukturprozesses soll eine Lösung gefunden werden. 

Auch der Samstag ging zu Ende. Da alle anderen alten Gefährten abgereist waren, fand Joshua Zuflucht beim Abendessen der JDAV. Dabei lernte er eine sektionsübergreifende Gemeinschaft kennen, von der die “Alten” im DAV sich eine Scheibe abschneiden könnten.

Am letzten Sitzungstag wurde in einem erfrischend interaktiven Großworkshop über die geplanten Strukturreformen im DAV beraten. Auch wenn unsere verbleibenden Gefährten am Vorschlag einiges zu meckern hatten, freuten sie sich über die Aufrichtigkeit und Offenheit, mit der die Anmerkungen aus den Sektionen aufgenommen wurden.

Heimkehr

Erschöpft von zweieinhalb Tagen Debatte, machten sich unsere verbleibenden Helden auf zum Bahnhof, Moritz mit einem neu ersteigerten Gebrauchtfahrrad. Die Tradition der vollen Busse wurde im ICE fortgesetzt, was unsere Freunde nicht daran hinderte, es sich bequem zu machen. 

Aufgrund diverser Buchungsfehler, Verspätungen und einer Grenzkontrolle verschlug es unsere Reisenden etwas weit in den Norden ins verschneite Fulda. Nachdem auch hier die Bahn auf sich warten ließ, wurden drastische Schritte zur Weiterfahrt in Erwägung gezogen. 

Letztlich schafften die Vier es aber nach Karlsruhe und wurden nach dem eisig-winterlichen Passau und Fulda von einem typisch lauwarmen, herbstlich-verregneten Karlsruhe begrüßt.