13 motivierte und begeisterte Teilnehmer:innen und 3 erfahrene und herzliche Trainer haben sich dazu entschieden, in St. Antönien für 4 Tage Skitouren zu gehen. Die einen am Lernen, die anderen am Lehren, aber zusammen alle mehr als am Genießen. Sei’s beim Essen, den guten Gesprächen oder der einfach überwältigenden Aussicht vom Grad oder Gipfel.
Donnerstags um 6:04 Uhr ging es los. Teils müde, teils motivierte Gesichter voller Vorfreude, bei allen aber ein bisschen von beidem, standen mit ihrer Gepäckarmada, die, noch so smart und sparsam gepackt, nicht zu übersehen war.
Die Gruppe hat sich von Anfang an gut verstanden und sich bei den zwei bis dahin anwesenden Trainern Justus und Richard gut aufgehoben gefühlt. Ob schon tief im Kennenlerngespräch versunken oder bereit für den ersten Nap im Zug ging es dann los über Basel, Landquart, Küblis bis schlussendlich mit dem Bus nach St. Antönien auf 1400m. Der eine oder die andere, inklusive des dritten Trainers Christof, stieß entlang der Strecke dazu, sodass wir reibungslos und ohne Verspätung im schönen Rhätia Hotel eingetrudelt sind.
Nach einer kurzen Willkommensrunde, ein paar Infos, Besprechung der Lawinenlage und der Bettenverteilung ging es dann in voller Montur mit Sonde, Schaufel, Pieps, Fällen, Tourenski oder Splitboard und Stöcken 100m die Straße abwärts in den Schnee. Überraschenderweise sank man am ersten Hang teilweise schon fast knietief ein. Der erste Tag voller kleiner Übungen in drei Gruppen von Piepstest, Anfell-Tricks, Lauftechnik, Verschüttetensuche und den zwei größten Herausforderungen: Abfahren mit Fellen und Spitzkehren, war aufregend, sehr bereichernd und schon mit ein paar Lachern und viel Harmonie verbunden. Das Highlight war natürlich die erste Abfahrt durch den teilweise noch schönen Powder. Herausfordernder war der flache Ziehweg, der schmale Schlängelweg durch den Wald und die von durchschimmernden Grasflecken durchzogene Abfahrt weiter unten im Tal. Abgerundet wurde der lange Tag mit einem Highlight des gesamten Wochenendes: das 4-Gänge-Menü von Gastgeber Heiko und seiner Frau, das sich von Tag zu Tag toppte. Das reichhaltige Abendessen hat es gebraucht: Für die Routenplanung am Abend und den Aufstieg am nächsten Tag.
Nach zwei Stunden Schlemmerei gab es also 13 Minuten Pause bis sich alle im „Seminarraum“ versammelt haben und es an die Tourenplanung ging. Am ersten Abend wurde das generelle Vorgehen erklärt: Worauf es bei der Planung ankommt, wo es die wichtigen Infos gibt, wie man sich auf der Karte orientiert und welche Routen wie ausgewählt werden können. Hauptaugenmerk lag auf dem Lawinenlagebericht und wie hier Entscheidungen zu den aktuellen Gegebenheiten getroffen werden können. Nach einer sorgfältigen Einschätzung, Planung der Checkpunkte und der Festlegung des spätestens Umkehrpunktes, ging es auch für die meisten nach sorgfältigem Gruppenzähneputzen ins Nest. Die Müdigkeit des langen Tages war spürbar und man wollte ja fit sein, für die erste große Tour.
Am nächsten Morgen ging es in drei Gruppen Richtung Eggberg oder Gierenspitze. Alle Gruppen hatten um die 800 hm und 7-8km vor sich: Anfängliche Passagen entlang oder auf der Straße, kleine Stürze beim Abfahren mit Fällen, langsames Aufsteigen vorbei an schönen Höfen, begleitet von wunderschönem Sonnenschein, ließen einen freudig schmunzelnd in den Tag starten. Bei der durchweg fitten Gruppe, lief der Aufstieg reibungslos. In einem gemeinsamen, angenehmen Tempo, bei dem alle aufeinander achteten, kamen wir oben an. Voller Stolz und Freude das Vesperbrötchen verspeisend und die Aussicht zu genießend, verschlechterte sich plötzlich das Wetter drastisch und die Sicht verschwand. Die gerade noch traumhaft pudrige Abfahrt war plötzlich eine orientierungslose Nebelschwade. Dank der erfahrenen Trainer, ihren klaren Anweisungen und dem richtigen Abstand haben wir uns nie aus den Augen verloren und einen sicheren und trotzdem sehr spaßigen Weg ins Tal gefunden.
Nach weiteren LVS-Übungen mit Sondieren und Ausgraben ging es wieder zurück ins muglige Kellerbettenlager.
Das nächste hervorragende 4-Gänge Menü erwartete uns schon, das Highlight des Menüs war der ausgezeichnete „Gipferliauflauf“. Ein Croissant-Auflauf, der einen direkt nach der sorgfältigen Routenplanung ins Bett katapultiert.
Am nächsten Tag wurde eine Schippe draufgelegt: Zwei Gruppen gingen auf den gut besuchten Rotspitz (1100hm Tour) und eine Gruppe auf den weniger bekannten Nollen (1000hm Tour). Es war ein himmlischer Tag für alle! Blauer Himmel, 9h Sonne, über Nacht hatte es 20-30cm Neuschnee gegeben, besser ging nicht. Der Tag war voller schöner Eindrücke und Erlebnisse: Von wunderbarem Gipfelvesper mit Manna-Schnitten und Traumaussicht über die sagenumwobenen „Wumm“-Geräusche bis hin zu einem ECT (Extended Column Test), bei dem die Schwachschichten in der Schneedecke beurteilt werden und aufgezeigt wird, wie sich die unterschiedlichen Schneeschichten als Schneebrett lösen können. Abschließend wurde dann noch die Mehrfachverschüttung geprobt, wobei die schauspielerischen Bestleistungen der Trainer erwähnt werden müssen.
Auch der Sonntag hielt nochmals zwei schöne Ziele bereit. Das Jägglisch Horn, zu dem zwei Gruppen aufstiegen, wobei eine Gruppe aus Teilnehmer:innen bestand, die noch keine Mehrfachverschüttung geprobt hatten, damit auch alle diese anspruchsvolle und schwierige Situation einmal erlebt haben, die hoffentlich bei niemand je eintreffen wird. Und das Hasenflueli, das eigentlich eine Rundtour werden sollte, jedoch nach einer verständnisvollen und aufeinander achtenden Diskussion entschieden wurde, den Aufstiegsweg in der Sonne und im größtenteils schönen und wenig verspurten Powder runterzufahren. Die Gruppen waren, trotz beanspruchten Beinen, zügig auf ihren Gipfeln, sodass es auf dem Rückweg noch für ein schönes Alkoholfreies Weizen, Kaffee und Kuchen in der Sonne reichte.
Die Heimreise wurde, auf den zum Glück reservierten Sitzen, gemütlich zusammen bei Resteschlämmerei und gemeinsamen Handballfinale verbracht, das gespannt verfolgt und fachkundig kommentiert wurde.
Es war ein wunderbares Wochenende, in dem viel gelernt und viel genossen wurde. Zufrieden und leicht gebräunt erreichten wir pünktlich um 10 Uhr Karlsruhe.
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