Die Muttekopfhütte – berühmt für ihre Kulinarik! Wir, das sind 6 angehende alpine Mehrseillängen-Aspiranten, freuten uns auf drei luxuriöse Tage mit kleineren Klettereinlagen.
Es begann super: Unsere beiden Trainer fuhren uns souverän nach Imst zur Seilbahnstation. Eine entspannte Fahrt nach oben, dann der erste Schock: Die Trainer forderten von uns einen, man höre und staune, 45-minütigen Marsch zur Hütte… zu Fuß! Als wir schließlich auf der Hütte ankamen, freuten wir uns auf eine ausgedehnte Pause mit Kaiserschmarrn. Doch nichts da, die Trainer machten ihrem Namen alle Ehre und so ging es nach dem Check-In sogleich zu einer Trainingswand in der Nähe. Dort angekommen wurden wir auf die Probe gestellt: In zwei bzw. drei Seillängen mussten wir im unglaublichen dritten Schwierigkeitsgrad beweisen, dass unsere Angaben bzgl. Unserer Grundkenntnisse in Mehrseillängentouren korrekt waren (und wir uns nicht etwa aufgrund kulinarischer Erwartungen in den Kurs eingeschlichen hatten – wer denkt denn an so was?). Natürlich legten wir außerordentliches Können an den Tag… doch trotzdem fanden unsere Trainer noch den einen oder anderen Kritikpunkt. (Also wirklich: Sich ohne Selbstsicherung am Standplatz auszubinden ist im zweiten Grad doch nicht so tragisch, oder?) Danach ging es zurück zur Hütte, und wir durften endlich ein Vier-Gänge-Menü plus Nachschlag genießen. So hatten wir uns das vorgestellt! In der Besprechung zum nächsten Tag rächten wir uns dann für die entgegengebrachte Kritik und schlugen vor, am nächsten Tag in aller Früh um 7:15 Uhr aufzubrechen – sehr zum Bedauern unserer Trainer.
Nachdem wir am Vortag festgestellt hatten, was Sache ist – erst die Arbeit, dann das Vergnügen – brachen wir tatsächlich um 7:15 Uhr hochmotiviert zum Zustieg auf. Wir Teilnehmer hatten 45 Minuten Laufzeit geschätzt, die Trainer waren da eher skeptisch. Legt man eine Toleranz von 100% zugrunde, hielten wir die Schätzung aber perfekt ein und kamen wie geplant gegen 8:45 Uhr auf 2200 Höhenmeter beim Einstieg an. Dann ging es noch höher hinauf: 200 m in 6-7 Seillängen maximal im Grad 6- in drei Seilschaften, parallel in zwei benachbarten Routen waren geplant, einige Teile davon selbst abzusichern. Offenbar hatten wir trotz allem eine gewisse Glaubwürdigkeit bzgl. unserer Kenntnisse bewiesen, denn wir durften die meisten Seillängen mit mobilen Sicherungsmitteln selbst vorsteigen. Und so ging es in den kommenden Stunden Haken um Haken, Keil um Keil und Friend um Friend nach oben,
begleitet von vielen Tipps und mit einem kleinen Hänger der Unsicherheit bei einem unerwartet unterdimensionierten Standplatz.
Schließlich kamen zwei der drei Seilschaften oben an, und genossen die Aussicht vom Gipfel bei frischem Kaffee (ja, einer unserer Trainer wuchtete tatsächlich Gaskocher und Utensilien mit hoch!). Action war auch geboten: Wir dachten erst, ein Rettungshubschrauber sei für uns bestimmt, doch er interessierte sich mehr für unseren gestrigen Weg zur Hütte, einige Luft-Kilometer von uns entfernt. Die Minuten verstrichen, und irgendwann fiel uns auf, dass die dritte Seilschaft noch immer fehlte. Gefühlt nach Stunden lugte sie schließlich über den Gipfelrand: Sie hätten „nur 5 Minuten“ mit dem Versuch zugebracht, einen alten feststeckenden Klemmkeil zum Mitkommen zu überreden. Mitkommen wollte der natürlich nicht.
Dafür ging es dann beim Abseilen, dank unserer Trainer und genügend langer Seile, zügig voran: Statt sechs benötigten wir nur drei Seillängen. Der Schuttkar unten eignete sich wunderbar für eine Übungseinheit im Geröllsurfen, inklusive eleganter Kür mit „rückseitiger Notbremsung“. Derart beschwingt machten wir uns auf den Rückweg zur Hütte und deren vorzügliche Küche, mit welcher der Tag schließlich ausklang.
Der dritte Tag begann wie am Vortag: Außerordentlich früh. Das war jedoch auch bitter nötig, da die Wettermodelle bereits ab 14 Uhr Regen vorhersagten. Selbstverständlich beglückten uns die Wolken bereits kurz vor 8 Uhr mit einer Dusche. Das gefiel uns weniger, den dutzenden Salamandern auf den Wegen umso mehr. Regenfeste Ausrüstung hatten wir zwar dabei, aber mitten in der Wand wollten wir lieber nicht von Nässe überrascht werden. Nach einigen Diskussionen, Studium der Vorhersagen und sichtlicher Besserung des Wetters entschieden wir uns, einzusteigen. Die Trainer hatten die Route gut ausgesucht, sodass wir bei der vierten von sechs Seillängen die Möglichkeiten gehabt hätten, auszusteigen. Das wusste auch das Wetter, und so fing es gezielt in der fünften Seillänge wieder zu regnen an. Wir wurden mitten in der Wand überrascht – Mist. Kurz vor Schluss sorgte das für das echte alpine Erlebnis und eine unverhoffte aber interessante Lehreinheit. Vorsichtig preschten wir zum Gipfel und danach zurück zur Hütte. Dort ließen wir es uns ein letztes Mal bei Kaiserschmarrn und ähnlichen Köstlichkeiten richtig gut gehen, während wir von der äußeren Seite des Zauns von Ziegen beobachtet wurden (ist das normalerweise nicht umgekehrt?).
Schließlich machten wir uns auf den Rückweg nach Karlsruhe. Am Ende können wir die Muttekopfhütte als Stützpunkt für tagesfüllende Klettertouren sehr empfehlen. Großes Lob auch an unsere Trainer: Sie ließen uns gestalten, wo freie Gestaltung angemessen war, korrigierten, wo Korrektur nötig wurde und begleiteten, wo Begleitung half. So können wir zuversichtlich zukünftigen alpinen Mehrseillängen in Eigenverantwortung entgegenblicken.
Text: Achim Guckenberger
Fotos: Teilnehmer des Kurses
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